Die im Sommer in Aussicht gestellt Haushaltssperre des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) löste eine Welle der Verunsicherung vor allem bei inklusiven Wohnprojekten und planenden Gruppen aus. Unter anderen betroffen: Die Eltern-Initiative „Bunte Bank Brühl“, eine in der Planung bereits weit fortgeschrittene Projektgruppe: „Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat unerwartet eine Haushaltssperre verhängt und die für unser Projekt zugesagte Förderung gestoppt – ohne Vorwarnung und trotz Erfüllung aller Voraussetzungen. Diese plötzliche Entscheidung gefährdet die Realisierung unseres inklusiven Wohnhauses erheblich.“, so hieß es wochenlang auf der Website des Vereins.
Die Vereins-Aktiven organisierten sofort eine Protestkampagne gegen die Kürzung der Förderung für ihr Vorhaben inklusiven Wohnens: Briefe an PolitikerInnen und die Fraktionen der Landschaftsversammlung, Pressearbeit, eine Mahnwache am Tag der LVR-Beschlussfassung. Ein breites Bündnis von UnterstützerInnen ließ sich mobilisieren: „Betroffene Vereine aus Köln, WOHN:SINN e.V., Inklusiv Wohnen Aachen, LVKM, Sozialverband NRW, Lebenshilfe NRW, Lokalpolitiker:innen aus Brühl, der Inklusionsbeirat Brühl, die KoKoBe REK und Vertreter:innen verschiedener Parteien waren dabei“, erzählt uns Katrin Kossorz von Bunte Bank Brühl e.V..
Und die Aktivitäten führten zum Erfolg: Bei der Beschlussfassung über die Kürzungen am 2. September bekamen acht Projekte, die bis 31.8. als förderfähig eingestuft wurden, doch noch den Förderzuschlag – darunter die Bunte Bank Brühl. Das löste Erleichterung aus – doch Katrin Kossorz und ihre Mitstreiterinnen sind nicht zufrieden: „Nichtsdestotrotz ist der Stopp für die anderen inklusiven Wohnprojekte, die nicht mit der LVR-eigenen Baufirma „Bauen für Menschen“ realisiert werden und noch nicht förderfähig sind, ein dramatisches Zeichen. Auch hier haben sich Eltern jahrelang neben Pflege, Job, Familie, sozialrechtichen Kämpfen…. für diese vieldimensionalen Wohnprojekte ehrenamtlich engagiert – weil sie keine Alternative haben.“
Kossorz befürchtet: „Hier in NRW werden gerade beunruhigende Ideen in Richtung Roll-back von inklusivem Wohnraum und personenzentrierter Bedarfsermittlung, zum Persönlichen Budget und zu Rahmenverträgen mit BeWo-Anbietern gestreut; angestrebt werden wieder größere Wohngruppen von mindestens 24 Personen in stationären Einrichtungen, die auch wieder homogener sein sollen; auch Richtlinien für barrierefreien Wohnraum sollen wieder gelockert werden“ – es gibt also weiterhin viel zu tun für Menschen, die bereits durch ihre Lebenssituation umfangreich beschäftigt sind.
Hut ab vor Katrin Kossorz und ihren VereinskollegInnen, die selten genug Zeit haben, sich auf ihrer Bunten Bank einmal auszuruhen.