Fach- und Festveranstaltung „Soziale, gemeinschaftliche Wohnprojekte fördern – 40 Jahre NWiA e.V. feiern“ am 27. November 2025 in Köln – ein Kurzbericht
„Heute feiern wir hier nicht das Ende eines Vereins – wir feiern 40 Jahre gelebte Unabhängigkeit, Eigensinn und Beharrlichkeit. Der Geist, der NWiA 40 Jahre lang getragen hat, ist nicht kündbar, nicht auflösbar, und er passt in kein Vereinsregister. Auch wenn der Verein geht: Die Projekte bestehen weiter, die Menschen bleiben verbunden, und unsereHaltung bleibt unbequem – so wie eine Bewegung unbequem sein muss, die etwas bewegen will.“
Mit diesen Worten aus der Rede eines Unterstützers endete die letzte Veranstaltung von Neues Wohnen im Alter e.V. am 27. November 2025, die gleich drei Anlässe hatte: Das Präsentieren einer neuen Publikation, das 40. Bestehensjubiläum und den Beschluss zur Auflösung des Vereins. Rund 50 Menschen waren der persönlichen Einladung des NWiA-Vorstands zu diesem besonderen Nachmittag in den Gemeinschaftsraum von Lebensräume in Balance e.V., Köln-Ostheim, gefolgt.
Die Veranstaltung bot im ersten, fachlichen Teil Informationen und Ermutigung zum Thema Mietwohnprojekte. Hier wurde die Broschüre „Gemeinschaftliches Wohnen zur Miete. Wie die Kooperation zwischen Gruppen und Investor*innen gelingt“ vorgestellt, an der Kathleen Battke für NWiA im Rahmen eines bundesweiten Arbeitskreises aus Wohnprojekte-BeraterInnen, überwiegend aus dem FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., in Kooperation mit der Stiftung trias mitgearbeitet hatte.
Ebenso gab K. Battke (ersatzweise für Heike Kerscher, Leiterin des Amtes für Wohnungswesen der Stadt Köln, die diesen Programmpunkt übernommen hatte, jedoch kurzfristig absagen musste) einen kurzen Einblick in das Konzept „Soziales und Innovatives Wohnen in Köln“aus dem Amt für Wohnungswesen, das im Herbst 2025 vom Kölner Stadtrat beschlossen worden ist.
Somit gab es reichlich Gesprächsstoff für die folgende Gesprächsrunde mit VertreterInnen von Mietwohnprojekten (realisiert und in Planung). Insgesamt waren auf der Veranstaltung zehn Projektgruppen vertreten, die die Diskussion um die beiden Papiere aktiv und streitbar mitgestalteten.
Im zweiten Teil des Nachmittags wurde der 40. Geburtstag des Vereins mit festlichen Worten, Rück- und Ausblicken und einem Umtrunk begangen.
Vereinsvorsitzende Erika Rodekirchen würdigte in der Eröffnung das starke Netzwerk, das NWiA rund um das Thema „gemeinschaftliches Wohnen im Alter“ in den 40 Jahren seines Bestehens hat aufbauen können und von dem der Verein sich getragen wusste – von den Kontakten in die Kommune und die Politik auf Stadt- und Landesebene über Wohnungsbauunternehmen, große Organisationen wie der Paritätische und das selbst mitgegründete bundesweite FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V. bis hin zu zahllosen Einzelpersonen zwischen namhaften WissenschaftlerInnen als ReferentInnen, Vereinsmitgliedern oder -angestellten und engagierten Ehrenamtlichen. Die Mitgründerin des Vereins, die von Beginn an im Vorstand ist, dankte den Anwesenden und auch den mittlerweile Verstorbenen für die solidarische, kämpferische und kreative Zusammenarbeit.
Ulrike Petersen, Vorständin im FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung, rief in ihrer Festrede die Aufbruchstimmung der 1980er Jahre wach, die zahllose bürgerschaftliche Initiativen hervorgebracht habe – unter anderem auch NWiA e.V.. Sozialwissenschaftler wie Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner † flankierten in dieser Zeit mit ihrer Expertise Initiativen für neue Lebensformen und Hilfesysteme; so referierte er mehrmals auch auf NWiA-Veranstaltungen. Damals exotisch, heute nicht mehr wegzudenken, wenn auch Bedarf und Realisierungsmöglichkeiten weiterhin stark auseinander klaffen: So fasst die Festrednerin den Stand ums gemeinschaftliche Wohnen zusammen. Und würdigt den Anteil, den NWiA an der Entwicklung des Themas vom Rand in die Mitte der Gesellschaft hatte und bis heute hat – nicht nur in Köln und NRW, sondern bundesweit. Zum Schluss sendete Ulrike Petersen noch einen Appell in den Raum: „Ich wünsche mir, dass die Kölner Stadtgesellschaft – damit meine ich die Menschen, die hier in Projekten wohnen oder wohnen wollen und die am Thema arbeiten, die planen und bauen, die politische und kommunale Verantwortung tragen – dafür sorgt, dass die bisher geschaffenen Projekte sowie die Begleit- und Förderstrukturen für innovative Wohn- und Lebensformen in aller Vielfalt gepflegt und vor allem weiter entwickelt werden.“
ZeitzeugInnen und WeggefährtInnen ließen anschließend in einer Gesprächsrunde in wechselnder Zusammensetzung vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte mit Kennenlern-Erlebnissen, Anekdoten und Danksagungen aufleben – es wurde deutlich, welches Themen- und Aktivitäten-Spektrum NWiA in dieser Zeit bespielt hat, von Netzwerkaufbau über das Schaffen von konkreten Leuchtturm-Projekten und Umdenken in Wohnungsbaugesellschaften bis hin zur Quartiersarbeit. Und es entstand auch ein Eindruck davon, wie die Atmosphäre und Arbeitsweise bei NWiA e.V. Menschen inspiriert, ermutigt und vorangebracht hat.
Vieles davon endet nun und geht verloren. Doch Wesentliches wird auch in die Zukunft getragen: Die MitStadtZentrale Köln führt das WohnPortal Köln-Bonn weiter und tritt auch als Regionalstelle des FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung, in die Fußstapfen von NWiA. Der größte Teil der Vereinsunterlagen konnte ins Historische Archiv der Stadt Köln überführt werden, wo die Materialien aufbereitet werden und damit der Stadtgesellschaft erhalten bleiben. Dafür: Danke!
Auch wenn die Auflösung des Vereins – gerade jetzt – für manche überraschend kommt und bei vielen Bedauern auslöst, überwogen beim Anstoßen auf den 40. Geburtstag doch Dankbarkeit und Zuversicht. Noch einmal Worte aus der Würdigungsrede des eloquenten Unterstützers:
„Also lasst uns heute nicht wehmütig, sondern selbstbewusst und stolz sein: Weil NWiA etwas geschaffen hat, das man nicht löschen kann. Danke für 40 Jahre Unruhe im besten Sinne! Lasst uns anstoßen auf alles, was wir jetzt erst recht anstoßen werden. Auf euch – auf uns alle!“










